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Ein schauendes Herz

Liebe Leserinnen und Leser,

endlich ist es soweit – lange hat es in diesem Jahr gedauert, bis der Winter sich verabschiedet hat und das erste Grün im Stadtpark zu sehen war.

Noch Ende März fielen Schneeflocken, als ob es tiefster Winter wäre. Doch nun sind sie wieder zu entdecken, die roten Tulpen, die gelben Narzissen und die blühenden Kirschbäume. Trotz des Großstadtlärms zwitschern die Vögel laut ihre

Melodien und die Enten führen stolz ihre Kleinen hinter sich her, im Entenmarsch, manchmal auch geradewegs über die (Bayreuther-)Straße.

Die Menschen strömen bei sonnigen Stunden in den Park, um spazieren zu gehen oder die Sonne zu genießen.

Mir fallen jedes Jahr unweigerlich die Strophen Paul Gerhards ein: „Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit an deines Gottes Gaben".

Er beschreibt in den folgenden fünfzehn Strophen in wunderbaren Bildern die Natur, von der Lerche über die rauschenden Bächlein, den Weinstock und Weizen bis hin zum Menschen. Paul Gerhard geht durch die Betrachtung der Natur sein Herz auf und er beginnt zu singen: „Ich singe mit, wenn alles singt

und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen."

Er beginnt seinen Text mit einem Impuls, einer Aufforderung: „Geh aus! Mach dich auf den Weg, Herz! Öffne, dich! Lass dich darauf ein!“

Oft ist unser Herz ja mit ganz anderen Dingen beschäftigt, wir hängen noch einer missglückten Unterhaltung nach, ärgern uns über eine unbedachte Bemerkung anderer oder sorgen uns um Zukünftiges.

Ich wünsche mir, dass wir unser Herz öfters auf Wahrnehmungsreise schicken, um zu staunen über die Natur als Gottes Schöpfung und um uns als

Menschen wieder selbst zu erden. Wir sind selbst auch Teil dieser Natur, dieser Schöpfung, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud"

– ein Impuls, um mehr Achtsamkeit zu

pflegen anderen Geschöpfen gegenüber

und ein Impuls ganz bewusst, die Freude

zu suchen.

Paul Gerhard hat sich das bewusst vorgenommen.

Freude zu suchen angesichts

einer Welt voller Leid und Krankheiten.

Er selbst hatte schon seinen älteren

Bruder und dessen Tochter zu Grabe

tragen müssen und die damaligen Kriege

und die Pest rissen Lücken in fast jede

Familie. Da tut es gut, noch anderes

wahrzunehmen: Schönes, Heiles, nicht

als Ablenkung, sondern als eine andere

Facette in der einen Welt.

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit an deines Gottes Gaben" – ich wünsche Ihnen, dass Sie sich die „Sinne erwecken lassen" und die blühende, grüne Jahreszeit genießen können und dabei manchmal auch von Dank und Ehrfurcht gegenüber dem Schöpfer ergriffen werden.

Ihre Pfarrerin Stefanie Grasruck

„Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit an deines Gottes Gaben“

(Paul Gerhard)